Zappenhof-Kapelle

Am Zappenhof, mitten im Wald zwischen
Perfuchsberg und Tobadill, war seit alters her eine kleine Kapelle (genaue
Entstehungszeit unbekannt), die sogar in alten Wallfahrtsbüchern als eigene
Wallfahrt bezeichnet war. Die Muttergottes wird hier unter dem Patronat: "Mutter
von der Barmherzigkeit" (Fest 4. Juni) angerufen, die spätgotische,
überlebensgroße Statue der Muttergottes (1,85 mt. hoch!) ist datiert aus dem
Jahre um 1470. Die genaue Datierung konnte aufgrund einer Renovierung in den
letzten Jahren festgestellt werden. Über die Umstände, wie diese Statue in die
Kapelle am Zappenhof gekommen ist, ranken sich verschiedene Legenden.
Die alte Kapelle war schon baufällig, die Muttergottesstatue neu renoviert,
daher entschloss sich der Hausherr, die Familie Ennemoser, eine neue Kapelle zu
errichten. Als Besonderheit: Die Muttergottes trägt einen großen Rosenkranz in
Händen, der aus Gewehrkugeln gefertigt worden ist. Dieser Rosenkranz wurde als
Dank für die Errettung aus Kriegsgefangenschaft, als Dank für die Heimkehr aus
dem Krieg von einem Landecker gefertigt.
Das nachstehende Gebet und die Wallfahrt zur Mutter der Barmherzigkeit wurde
besonders in und nach Kriegszeiten gepflegt, daher auch der Rosenkranz aus
Gewehrkugeln.
Hilf Maria, es ist Zeit, Hilf, Mutter der
Barmherzigkeit!
Du bist mächtig uns in Nöten
Und Gefahren uns zu erretten.
Wenn aller Menschen Hilf' gebricht,
Verlässt Du doch die Deinen nicht,
Hilf Maria, es ist Zeit,
Hilf, Mutter der Barmherzigkeit!
Nein Du kannst das heiße Flehen
Deiner Kinder nicht verschmähen,
Zeige dass Du Mutter bist
Wo die Not am größten ist.
Hilf Maria, es ist Zeit,
Hilf, Mutter der Barmherzigkeit!
Herr, gib allen im Kriege Gefallenen die ewige Ruh
und das ewige Licht leuchte ihnen.
Einige Beter kommen seit der Neuerrichtung der Kapelle wieder gerne hierher zum
beten, die Familie Ennemoser bietet wieder regelmäßige Rosenkranzandachten an.
Hier feiern wir jeweils am Sonntag nach Maria Himmelfahrt (Mitte August) einen
Pfarrgottesdienst als Pfarrwallfahrt.
Herzog Friedl auf der
Flucht
Herzog Friedrich, Landesfürst von Tirol, dem
seine Gegner den Beinamen mit der leeren Tasche" gaben, kam auf seiner Flucht
aus Konstanz Anno 1416 verkleidet als fahrender Sänger in die Nähe von Landeck.
Dort kehrte er am Zappenhof zwischen Tobadill und Perfuchsberg ein und
spielte wie ein fremder Fiedler auf seinem Instrument alte Volksweisen.
Der gutherzige Bauer lud den Fremden zu Tisch, bewirtete ihn gastlich, worauf
der Spielmann zum Dank ein ergreifendes Lied von dem Schicksal eines Fürsten
sang, der aus seinem Land vertrieben, von allen seinen Freunden und Untertanen
verlassen, hilflos und unerkannt durch die Welt irre. Der Sang ergriff das Gemüt
der guten Bauersleute derart, dass sie in ihrem Mitleid Tränen vergossen.
Als nun Friedl sah, wie es um die Herzen dieser treuen Tiroler beschaffen war,
legte er seine Verkleidung ab und gab sich als Landesfürst zu erkennen. Die
frohe Kunde verbreitete sich rasch. Am nächsten Sonntag strömte das Landvolk aus
der ganzen Gegend auf dem Kirchplatz zu Landeck zusammen und gab seiner
Verehrung für den geliebten Fürsten mit solchem Jubel Ausdruck, dass sich Friedl
zum ersten Male wieder inmitten seiner Untertanen sicher und glücklich fühlte.
Von der Flucht des Herzogs erzählt man noch manch andere Abenteuer. Friedl soll
sich u. a. auch länger im alten Widum zu Flaurling verborgen gehalten haben. Als
er dann in die Ötztaler Berge stieg, weilte er eine Zeitlang auf der Alpe Fineil
und hütete dort, als Hirte verkleidet, die Schafe. Man hat noch Jahrhunderte
später zu Fineil ein schönes silbernes Besteck und einen Silberbecher als
Geschenk Friedls gezeigt.
Auf dem Wege über dem Hochjochferner fand der Fürst ein Versteck im Rofnerhof,
dessen Besitzer den Herzog so lange verbarg, bis ihn der Rofnerhofbauer über das
Joch in die Nähe von Meran brachte, wo Friedl beim Müller Sigmund Hendl an der
Mündung des Naiftales eine Zufluchtstätte fand. Dort würden den Fürsten aber
trotz aller Vorsicht seine Feinde erspäht haben, wenn nicht der furchtlose
Müller den Herzog, unter einer Mistfuhre versteckt, in Sicherheit gebracht
hätte.
Herzog Friedl vergaß nie die Dienste des Hendlmüllers, erhob den treuen Mann in
den Adelsstand und setzte ihm ein Mühlrad in sein Wappen. So wurde der
Hendlmüller zum Stammvater des Tiroler Geschlechtes der Grafen Hendl, von denen
einer, Josef Graf Hendl, 1809 zu den hervorragendsten Mitkämpfern Andreas Hofers
zählte.
Heute

Heute steht am Zappenhof ein modernes
Einfamilienhaus der Familie Ennemoser. Das ursprüngliche Haus wurde renoviert
und mit mehreren Mietwohnungen ausgestattet.
Das alte Stallgebäude wurde abgerissen und
durch ein neues ersetzt. Walter Ennemoser hat auch einen Teich gebaut.
Der Zappenhof stellt heute eine idyllische
Insel der Ruhe dar.