
Ganz
einfach. Man muss verrückt sein. Ich habe ganz konkrete Vorstellungen von einem
UW-Gehäuse und der für meine Zwecke geeigneten Kamera. Böse Zungen behaupten,
ich brauche einfach die Herausforderung.
Ich kann nur jeden warnen, diesen Weg zu gehen. Abhalten will ich davon allerdings niemanden. Es gehört Durchsetzungsvermögen, Geduld und eine gute Portion Glück dazu. Glück deshalb, um genau die richtigen Mitspieler zu treffen, die den gemeinsamen Wahnsinn teilen und ein solches Projekt ermöglichen. An dieser Stelle ein Danke an alle, die mir geholfen haben.
Immer dann, wenn man entweder gerade in der Lotterie gewonnen hat oder sicher ist, zuviel Geld zu besitzen. Billig ist eine Sonderanfertigung nie. Man muss sie wirklich wollen. Die Kosten bewegen sich in Bereichen, dass es sich nur für eine Kamera rechnet, die in der Preisklasse von guten Spiegelreflexkameras liegt. Für eine Kompaktkamera zahlt es sich praktisch nicht aus. Da gibt es genug gleichwertige Produkte, für die ein brauchbares UW-Gehäuse verfügbar ist, und das meist zu einem Preis, der mit einer Sonderanfertigung nie zu unterbieten ist.
Wer mit einem der häufig verkauften Kameramodelle ins Wasser möchte, findet in der Regel ein oder mehrere Gehäuse unterschiedlicher Anbieter in verschiedensten Techniken, Ausführungen und Preisklassen für die Kamera der Wahl. Wenn man dann auch noch die im UW-Bereich häufig verwendeten Objektive besitzt sind dem Glück keine Grenzen gesetzt.
Immer dann, wenn eine dieser Bedingungen nicht zutrifft, drängt sich der
Gedanke nach mehr oder weniger Sonderanfertigung auf. Vielleicht nur ein Port
oder ein Zoom-Getriebe, eine Anpassung wegen bestimmter Einsatzmöglichkeiten.
Nicht jeder Hersteller von UW-Gehäusen geht auch auf Sonderwünsche von Kunden
ein. Manche sind zu borniert, manche schaffen es nicht, das zu einem
vernünftigen Preis zu tun und bei manchen liegt's an der verwendeten
Technologie.
Zuerst braucht man einen zuverlässigen Hersteller, der bereit ist,
das Gehäuse entsprechend der eigenen Vorstellungen zu bauen. Ohne langjährige
Erfahrung sind Probleme vorprogrammiert und es gibt genug Fallen, in die ein
Neuling tappen kann. Es empfiehlt sich, die Seriengehäuse (und wenn Möglich auch
eine Sonderanfertigung) eines Herstellers zu studieren um abschätzen zu können,
woran man ist. Auch Erfahrungen von Anwendern dieser Gehäuse sind eine wichtige
Information. Zum Glück gibt es mittlerweilen einige
Internet-Foren zum Thema UW-Fotografie und
eine gute Datenbank verfügbarer Kameras und
Gehäusen. Bei meinem ersten Versuch war das noch nicht so. Da war ich auf
viel Telefonieren und Glück angewiesen. Entsprechend war auch das Ergebnis. Bei
meinem derzeitigen Projekt habe ich
UK-GERMANY als Partner gewonnen. UK-GERMANY bringt lange Erfahrung, ein
ausgeklügeltes Portsystem, Zubehör und Technologie ins Projekt. Dazu noch eine
kleine Gruppe von Verrückten, die an spezialisierten Themen arbeiten um meine
Vorstellungen möglichst perfekt umzusetzen. Einen sehr großen Teil der Arbeit,
nämlich das Vermessen der Kamera (Erstellen eines 3-D Modells) und die
Konstruktion der Gehäuseschalen hat Hans-Jürgen Neuf in unnachahmlicher Form
erbracht. Die Abmessungen der Sucheröffnung und des Bajonetts sind auf die
Produktpalette von UK-GERMANY abgestimmt. Das erlaubt, alles bestehende Zubehör
zu verwenden.
Ich habe mir eine Olympus E-1 gekauft. Das kompromisslose Konzept, das Olympus
mit dem E-System verfolgt hat mich überzeugt. Es ermöglicht gegenüber
Kleinbildkameras vergleichsweise kleinere bzw. lichtstärkere Objektive zu
konstruieren. Das Konzept ist für digitale Spiegelreflexkameras optimiert. Alle
bisher erschienenen Objektive bieten Spitzenleistungen selbst bei Offenblende.
Das 7-14mm (entspricht Kleinbild 14-28mm) bietet einen maximalen Winkel von 114°
und nahezu verzeichnungsfreie Abbildung. Als positiver Nebeneffekt bringt die
geringe Brennweite eine große Tiefenschärfe, was bei der Verwendung einer
Domescheibe Randunschärfen durch die Bildfeldkrümmung verringert. Die E-1 zeigt
dazu eine unvergleichlicher Haptik.
Zum Zeitpunkt meines Projektstarts gab es keinen Hersteller, der ein Gehäuse dafür angeboten hat. Das hat sich mittlerweilen zwar geändert, allerdings entspricht das von Ikelite angebotene Gehäuse nicht meinen Vorstellungen. Die generelle Verarbeitung und die verwendete Technologie (Plexiglas-Guss) versprechen nicht gerade lange Haltbarkeit. Das Portsystem von Ikelite ist nicht speziell auf die optischen Anforderungen der verwendeten Objektive abgestimmt. Sie sind nur nach mechanischen Gesichtspunkten (äußere Abmessungen) ausgewählt.
Nach einer längeren Planungsphase habe ich im Frühjahr 2005 ein Holzmodell zum "Anprobieren" bekommen. Die Haptik des Gehäuses ist der E-1 nachempfunden. Man hat das Gefühl, eine etwas größere Kamera (etwa eine Mittelformatkamera) in der Hand zu halten. Der Daumen rastet in einer Mulde ein, den anderen Fingern gibt eine Griffleiste an der Vorderkante Halt. Damit wird Einhandbedienung ohne ein ausladendes Griffstück sicher möglich sein. Die Griffleiste an der Vorderseite ist geriffelt um zusätzlich Halt zu bieten.
Es gibt derzeit eine Hand voll Objektive für das E-System, die für den
UW-Einsatz Sinn machen. Deshalb sind Planports für das
35mm Macro, das 50mm Macro (auch mit Zwischenring bzw. Telekonverter) und für die beiden
Weitwinkel-Zooms 11–22mm und 7–14mm geplant. Auch das für Frühjahr 2006 angekündigte 8mm Fischauge
wird hinter einem Domeport Platz finden.
Alle Ports lassen sich auch auf dem E-300 und dem kommenden E-330 Gehäuse von UK-GERMANY verwenden. Um den Anforderungen von E-300-Besitzern gerecht zu werden wird auch ein Planport für das 14-45mm Zoom angeboten. Auf Anfrage können auch Ports für andere Objektive gerechnet werden.
Ich versuche, einen Winkelsucher für den besseren Einblick mit Tauchmaske
anzupassen. Das ist nicht ganz trivial. Der Sucher soll einen Knick von 45°
bekommen um eine entspannte Kopfhaltung zu ermöglichen. Wenn die Berechnungen
nicht zu kompliziert werden, werde ich auch noch einen Sucher mit 90° und 180° (geradeaus-Durchsicht)
rechnen lassen. Derzeit liegt der Sucher als Prototyp vor. Wir arbeiten heftig
an der Serienreife.
Dank unermüdlicher Panorama-Fotografen habe ich auch alle notwendigen Objektivdaten für die Korrekte Dimensionierung der Domeports bekommen. Ich habe sogar eine Domescheibe mit einem Radius von über 180mm aufgetrieben! Es ist noch fraglich, ob ich sie auch wirklich verwenden werde weil der Transport bei dieser Größe zum Problem werden kann. Für Puristen unter den halbe–halbe Fotografen habe ich sogar eine Scheibe mit 16" (das sind gut 40cm) Durchmesser für einen Dome mit 180° gefunden. Leider besteht die Scheibe aus relativ dünnem Plexiglas. Das verhindert einen tieferen Einsatz (genaue Werte zur möglichen Einsatztiefe habe ich noch nicht ermittelt).
Kurz nach der Boot 2005 habe ich auch einen Blitz bestellt und bald darauf geliefert bekommen. Es ist ein Hartenberger 250TTL. Die Verarbeitung ist exzellent. Sobald ich das Gehäuse habe, werde ich den Blitz in freier Wildbahn testen. Meine ersten Tests im Schwimmbad (mit einer E-300) haben gezeigt, dass die Handhabung exzellent ist. Der Blitz ist nahezu neutral und die Einstellräder sind leicht zu bedienen.
Die Versuche mit der OM-1 und dem ewa-marine Beutel in den späten 70er Jahren zählen nicht. Wirklich angefangen hat alles mit einer Nikonos III. Ich habe damit meine ersten Gehversuche im Wasser gemacht und nachdem ich sie geflutet habe und reparieren ließ (das ist heute gar nicht mehr so leicht) beschlossen, den Schritt ins digitale Zeitalter zu wagen.
Die Entscheidung für Digital ergab sich aus mehreren Gründen. Ich brauche oft Bilder für die Illustration von Webseiten oder für Prospekte, die auch im digitalen Satz entstehen. Digital ist mittlerweilen schneller und billiger im Verbrauch. Auch die Qualität (bei Spiegelreflexkameras) ist beachtlich und ausreichend hoch. Die Auflösung von 5 Megapixel ist für meine Zwecke genug. Ich rechne anders, als von der Mega-pixelitis Befallene. Vergrößerungen sind bei 5 Megapixel in jeder beliebigen Größe mit ausreichender Qualität möglich. Bei einem vernünftigen Betrachtungsabstand der es ermöglicht, das Bild in seiner Gesamtheit wahrzunehmen (üblich die doppelte Diagonale des Bildes) ist die Auflösung des Auges nicht in der Lage, mehr Details zu erfassen. Wer mit der Lupe am Bild klebt sieht zwar jedes einzelne Pixel, sieht aber am eigentlichen Bild präzise vorbei. Ich mache Bilder, keine Pixel-Referenzfriedhöfe.
Mittlerweilen habe ich mein Gehäuse zur E-20 samt allem Zubehör verkauft. Ich konzentriere mich derzeit voll darauf, die E-1 ins Wasser zu bekommen. Es gibt noch viele Aspekte, die zu berücksichtigen sind. Ich hoffe, mit diesem Projekt einen Impuls in der UW-Fotografie zu setzen und die Vorteile des Olympus E-Systems auch im Wasser nutzbar zu machen.

Der beste
Kompromiss zwischen Preis und Leistung ergab im Jänner 2002 den Kauf einer Olympus E20
(heute würde das wieder anders aussehen).
Wesentliche Kriterien waren der optische Sucher, ein akzeptabler
Brennweitenbereich und besonders der gerade noch akzeptable Preis. Die damaligen
Alternativen waren 2 bis 4 mal so teuer. Verglichen mit KB entspricht die
Brennweite 35-140mm. Das ist für Macro in Ordnung, bei WW kommt aber im
UW-Bereich noch nicht so richtig Freude auf. Die nach einiger Zeit verfügbaren
WW-Adapter Olympus WCON-08B und Raynox DCR-FE180PRO
erweiterten den Bereich bis zum 180° Fischauge. Mit einem Domeport war damit
auch die Welt des Weitwinkels offen.
Meine Wahl des Gehäuseherstellers fiel auf bruder-unterwasser technik. Es dauerte über 10 Wochen um die Kamera erstmals ins Wasser zu bekommen. Sie kam gerade noch rechtzeitig (einen Tag vor Abflug) für meine Reise auf die Philippinen. Es konnten fast alle Kamerafunktionen genutzt werden. Obwohl das Trockengewicht gut 10kg ausmachte, ließ sich die Kamera im Wasser bei leichtem Abtrieb (ca. 100g) gut bedienen. Relativ bald stellten sich die ersten Ausfälle ein. Schrauben wurden locker, wackelnde Teile verursachten Kratzer an der Kamera. Die Lampen waren oft von Wassereinbrüchen gezeichnet. Die Geschwindigkeit, mit der Bruder die Schäden behebt oder ein Service macht ist unerreicht. Kaum sind ein paar Monate vergangen, ist auch schon alles erledigt (auch wenn's danach nicht immer funktioniert). Ich habe die E-20 samt Gehäuse und Lampen Anfang 2005 verkauft und es nicht bereut.
Im Jahr 2002 eröffnete die Webseite von digideep.
Es gibt dort eine gute Übersicht (jetzt auch in deutscher Sprache!) über die Verfügbarkeit
von UW-Gehäusen für diverse Kameramodelle. Die Seite bietet auch Rezensionen und
Beispielbilder. Hätte ich ein solches Service schon früher gehabt hätte ich mir
viel Arbeit beim Suchen und auch einige Irrwege erspart. Ein neues deutschsprachiges Forum zur UW-Fotografie ist im Frühjahr 2005 unter dem Namen
uwpix.net entstanden.
Die
letzte Erweiterung des Gehäuses war der Domeport für die WW-Adapter Olympus WCON-08B
und Raynox DCR-FE180PRO. Damit sind Bilder mit 180° Diagonale möglich, die sich
z.B. bei Wracks optimal einsetzen lassen. Durch den maximalen
Bajonettdurchmesser von 93mm war eine zweiteilige Konstruktion des Domeports
notwendig. Beispielbilder (allerdings nur mit dem Raynox-Konverter) sind in der Galerie seit der México-Reise (inklusive)
zu sehen.
Das Ansteuern von Blitzgeräten (besonders im TTL-Modus) ist bei Digitalkameras nicht so einfach. Ich habe mich deshalb im ersten Anlauf für zwei Halogenlampen (HLX, 14,4V, 35W, 3500°K, auf 100% und 60% Leistung regelbar) entschieden. Es hat sich herausgestellt, dass die Halogenlampen mehrere Vorteile bieten (Ich würde aber keine Lampen von Bruder bzw. Aditech mehr kaufen. Sie sind mir zu oft abgesoffen. Auch hier zahlt sich Qualität aus: die Lampe von Willixhofer ist ideal). Sie sind kontrollierter einsetzbar, sowohl mechanisch als auch optisch. Digitalkameras haben im Gegensatz zum analogen Film keinen fixen Weißabgleich. Es ist deshalb nicht ganz so wichtig, mit dem Sonnenlicht entsprechenden 5500°K auszuleuchten. Die von den Halogenlampen erreichten 3500°K reichen meist aus. Das Licht ist aufgrund seiner Stärke (besonders im Flachwasser) besser sichtbar als die bei Blitzen üblichen Einstelllichter. Dadurch ist einfachere Lichtführung möglich. Man kann sie auch ohne Kamera als Lampen verwenden. Das Dauerlicht hilft außerdem dem Autofokus bei seiner Arbeit. Bei vielen Bildern hat auch mein Buddy mit einer weiteren Lampe (50W mehrstufig regelbar, von Willixhofer) bei der Ausleuchtung geholfen oder um besondere Lichteffekte zu erzielen. Ich habe mir auch ein UW-Vergrößerungsglas (Idee und Vertrieb Jos Schulte) gekauft, um meinen Buddy bei der Suche nach kleinen Motiven zu unterstützen.
Kürzlich
habe ich eine interessante Diskussion auf Wetpixel
gelesen, bei der es um die Unterschiede zwischen Dauerlicht und Blitzlicht
gegangen ist. Es hat den Anschein, dass mit Blitzlicht brillantere Farben
erreicht werden können als mit Halogen oder HID-Lampen. Als Konsequenz habe ich
mir einen Blitz von Hartenberger
gekauft.
Der Hartenberger 250TTL ist neutral tariert und soll somit trotz seines Gewichtes an Land beim UW-Einsatz einfach in der Handhabung sein. Sobald das Gehäuse für die Kamera fertig ist, kann ich das testen.
Ich habe ein paar Vergleiche mit Blitz, HID und Halogenlicht im Trockenen gemacht. Die Ergebnisse mit HID waren denen mit Blitz sehr nahe, Halogenlicht bei einer Einstellung von 3700°K auch sehr gut, wenn auch etwas weicher. Wenn ich dazu komme, mache ich noch ein paar Vergleichsbilder im Wasser.
Für die Arbeit mit der E-1 werde ich wahrscheinlich mehr mit manueller Einstellung versuchen. Gerade beim Blitzen hat man damit mehr Kontrolle über die Belichtung. Die Automatik-Programme sind meist für UW-Lichtsituationen nicht ausgelegt. Ich habe mir jetzt schon im Trockenen manuelle Blitzbelichtung angewöhnt. Mit etwas Übung geht die Einschätzung der Belichtung ganz gut. Der Hartenberger 250TTL hat Leistungsstufen, die sich auf bis zu -5 Blenden herunter regeln lassen. Das sollte in praktisch allen Situationen reichen. Meine geplanten Einstellungen mit der E-1 sind:
Seite dem letzten Firmware-Update der E-1 (Version 1.4) ist der AF sehr treffsicher und deutlich schneller geworden. Das wir in Situationen mit geringem Umgebungslicht hilfreich. Die manuelle Scharstellung ist nur über die Mattscheibe ausreichend präzise. Eine Schärfenkontrolle über das LCD ist erst bei den neuesten Spiegelreflexkameras möglich. Man muss dazu allerdings ordentlich ins Detail zoomen. Eine brauchbare Schärfenkontrolle soll mit der Olympus E-330 möglich werden die auch eine Vorschau auf dem großen LCD Bildschirm erlaubt. Der Weißabgleich sollte auf einen fixen Wert (nicht auf AUTO) gestellt sein. Bei Weitwinkelaufnahmen mit Umgebungslicht habe ich in letzter Zeit im Rohformat gespeichert. Die Entwicklung mit bis zu 29000°K hat erstaunliche Ergebnisse gebracht. Ein Rotfilter ist in solchen Fällen besser. Leider kann man nicht an alle Objektive Filter schrauben. Extreme Weitwinkel (z.B. das Digital Zuiko 7-14mm) haben meist kein Filtergewinde.